Hermann Nitsch

Der 1938 in Wien geborene Künstler Hermann Nitsch wird einstimmig als einer der bedeutendsten europäischen Künstler betrachtet. In seinem Werk ist die Malerei so kraftvoll wie eine Dramaturgie, um die sich seine gesamte künstlerische Laufbahn dreht. Zeuge eines radikalen Umdenkens des künstlerischen Ausdrucks, der in dieser besonderen Form des “totalen Kunstwerks“ Gestalt annimmt; für Nitsch sind Theater, Bühne, Musik und Architektur alchemistisch untrennbar miteinander verbunden.

Seine künstlerischen Recherchen konzentrieren sich von Anfang an auf die Anstrengung, die Leinwand als bevorzugten Träger zu überwinden. Ab 1957 widmet er sich der Konzeption seines „Orgien Mysterien Theaters“ (OMT), einer neuen Form des Gesamtkunstwerks, dass alle fünf Sinne miteinbezieht und in dem zum Zweck der Befreiung nach Freud durch einen Zustand psycho-physischer Erregung die tiefgründigsten instinktiv-sinnlichen Elemente ans Licht kommen. Während seiner Performances offenbaren sich die von den gesellschaftlichen Normen und Zwängen unterdrückten menschlichen Urinstinkte. Dabei ist die Bezug des Orgien Mysterien Theaters zu rituellen und religiösen Zeremonien archaischer Völker sehr stark: eine zügellose Gewalt, die die Freisetzung innere Energie als notwendigen Weg zur Reinigung und Erlösung ermöglichte. 1961 gründet Nitsch zusammen mit Günter Brus und Otto Mühl (später kommt noch Rudolf Schwarzkogler dazu) die Künstlergruppe des „Wiener Aktionismus“, die die Thematiken des Action Painting in Österreich einführte. „Blood Organ“ heißt ihre erste „Aktion“, die 1962 in der Parinetgasse inszeniert wird und der noch über hundert weitere folgen werden. Häufig bringen die Aktionen Anzeigen und Strafprozesse mit sich. Im Aktionstheater führt der Künstler organische Substanzen wie das Fleisch und die Körper von ausgenommenen Kälbern und Schafen, Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin sowie liturgische Paramente wie Mitren, Ornate, Chorhemden, Monstranzen und Kreuze ein. 1971 erwirbt er als Kultort für seine Aktionen die Burg Prinzendorf an der Zava, 60 km von Wien. Hier realisiert er Performances, die drei Tage dauern. In Italien ist seine Aktion in der Nähe von Neapel sehr bekannt. 

Er nimmt an vielen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, u.a. im Central House of Artists in Moskau, im Museum of Modern Art in New York, im White Space in Peking, im Palazzo delle Arti (PAN) in Neapel, in der Galerie Susanne Ottesen in Kopenhagen, im Museu d´Art Contemporani in Barcelona, in der Slought Foundation in Philadelphia und im Lontos Kunstmuseum in Linz.

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