Vinicio Berti

1921-1991, Florenz

Vinicio Berti ist einer der Hauptvertreter der Abstrakten Malerei in Italien. Er beginnt seine künstlerische Laufbahn in den vierziger Jahren mit realistisch-expressionischen Arbeiten, die durch ihre Nähe zum Volk und zur dramatischen Kriegsrealität einen radikalen Bruch mit der florentinischen Maltradition nach Rosai darstellen. 

1945 gründet er zusammen mit Brunetti, Farulli, Nativi und dem Dichter Caverni die Zeitschrift „Torrente“, die eine persönliche Sicht der Kunst zugunsten einer direkten Teilnahme an der spannungsgeladenen tagtäglichen Realität. Außerdem nimmt er an der Bewegung “Arte d´oggi” teil, die mehrere Jahre lang die wichtigsten zeitgenössischen italienischen und ausländischen Künstler unter dem Banner einer gemeinsamen Überzeugung zur Erneuerung vereinigt. Zwischen 1947 und 1949 organisiert die Bewegung drei wichtige Ausstellungen in Florenz. 

1947 kommt Berti nach einer kurzwährenden Neuinterpretation von Kubismus und Futurismus zur Abstrakten Malerei und führt so den Weg der historischen Avantgardebewegungen fort, insbesondere die Richtungen von Mondrian, Malevic und Magnelli). Auf diese Weise wird er aktiver Mitstreiter bei der allgemeinen Erneuerung der europäischen Kunst. Berti erreicht mit Arbeiten wie Composizione verticale oder Simbolo eine, so der Künstler selbst, „neue Klassik“, die im Gegensatz zu allen noch in der zeitgenössischen Kunst vorhandenen klassischen Traditionen. Zusammen mit Bruno Brunetti, Alvaro Monnini, Gualtiero Nativi und Mario Nuti gründet er 1947 die Gruppe „Astrattismo classico“ (klassische Abstrakte Malerei). Während der kurzen Bestehungszeit der Gruppe (1947-1950) werden zahlreiche Gruppenausstellungen organisiert und in einem Manifest die ästhetisch-kulturellen Positionen zusammengefasst. Die Vertreter des „Astrattismo classico“ wollten eine neue Epoche zeitgenössischer Kunst einleiten und die von Wols und Fautrier begonnenen Zerstörung der Form beenden, um mit Hilfe einer in der Geschichte verwurzelten und diese darzustellen fähigen Sprache eine rationale und konstruktive Erzählung zu schaffen, die auf dem Blick ins Innere der Materie gründet.

Nach Auflösung der Gruppe führt Berti die Entwicklung und Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten des „Astrattismo classico“ in Inhalt und Form fort. Es schließt sich eine Phase an, die der Künstler selbst als „Erweiterung“ bezeichnet (1951-55): diese Zeit ist durch einen freieren Gestus und der Betonung von Verbindungen zwischen Linien und Farbflächen gekennzeichnet. Zwischen 1947 und 1950 strukturiert er seine Bilder nach strengem klassischen geometrischen Aufbau, beginnend vom Zyklus der „Cittadelle ostili“ (1955-58) bis hin zum „Omaggio a Einstein“. Es folgen dann die Zyklen “Brecce nel tempo” (1955-58) und “Avventuroso astrale“ (1959-65). Letzterer war inspiriert durch die ersten Weltraumaufnahmen. Die bedeutende Arbeit von 1963, „Utopia del tempo H3“ gewann den Preis der Stadt Florenz, Il Fiorino und wurde zum Symbol für Bertis Idee vom Menschen und dessen unermessliche Expansionsfähigkeit. Ab 1966 schafft er Arbeiten wie „Cittadelle di resistenza“, „Partenza zero“, „Geometria volumetrica”, “Realtà antagonista”, bis hin zu “Dal basso in alto” (1981), Vorläufer der späteren „Visioni verso l’alto”, die die stärkste Entwicklung innerhalb der „Astrazione classica“ im Dialog mit der sich im unaufhörlichen Werden befindenden zeitgenössischen Wirklichkeit.

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