Memorie della corrente
Pino Caminiti16. Juni – 8. Juli 2023
Eröffnung am Freitag, den 16. Juni, um 18 Uhr
Am Freitag, den 16. Juni 2023, wird um 18 Uhr in der Galleria Immaginaria in Florenz die Ausstellung Memorie della corrente des Künstlers Pino Caminiti eröffnet.
Vor Jahren beschloss Pino Caminiti, sein Leben zu ändern. Als Politiker führte er einen schwierigen Kampf und wollte seine Stadt und seine Region verändern. Getreu den Idealen seiner Jugend, in der eine gerechtere und freiere, menschlichere und würdigere Welt zum Greifen nahe schien. Doch seine Generation wurde in diesem Kampf besiegt. Hoffen wir, dass andere, jüngere, ihn wieder aufnehmen werden.
Pino Caminiti mietete ein Haus, nicht weit von seiner Stadt Reggio Calabria entfernt, am Ufer des Ionischen Meeres. Das Meer der Reisen des Odysseus, der Magna Grecia.
Viele Schiffe haben dort im Laufe der Zeit Schiffbruch erlitten. Und zwischen den benachbarten Ufern (Italien, Griechenland, Afrika) hat das Meer unermüdlich die Überreste ans Land gebracht, die Spuren der Menschen abgelagert. Holz und Eisen, Knochen, Lumpen, zerrissene Rinden und Wurzeln, zerbrochene Instrumente von fernen Spielen und Kriegen.
Pino Caminiti wanderte Tag für Tag am Meeresufer entlang. Er betrachtete den Sand, der mit zerbrochenen und verstreuten Stoffen übersät war, und lauschte dem unaufhörlichen Rauschen der Strömung. Und aus diesen Fragmenten, aus dieser Materie ohne Gestalt und Nutzen, wurde ein Werk geboren, eine Kunst, die aus Ruinen und Scherben besteht, aber auch aus Erinnerungen, Geschichten, Traumata und Offenbarungen, Akkorden und Dissonanzen, Identität und Entfremdung.
Aus dem Abfall von Zeit und Raum, aus Nähe und Ferne, kommen uns eine Form, ein Sinn, eine Geschichte entgegen und stellen uns in Frage, Figuren eines Anderswo, welches auch Heimat ist, einer Vision, die vielleicht auch Prophezeiung ist.
Gegen den Glamour des Post-Humanen und seiner Leichtigkeit stellt Pino Caminiti eine schwierige, zerbrechliche und hartnäckige Erinnerung an den Menschen und seinen Lebensraum in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Und er sagt uns, dass wir nur in dieser Erinnerung einen Sinn für unser gemeinsames Erbe und vielleicht eine Hoffnung für unsere gemeinsame Zukunft erahnen können.